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Münchner Zuchthauslied

1. Freinderl, kennst du des Haus
drunt am Paradeplatz,
da wo so manches Madl
seinen Schatz drin hat?
Da wo´s den ganzen Tag
so stark verriegelt is
und koa Soldat nei mag,
des woaß i gwiß.

2. In da Früah um hoibe sechse,
da geht da Jammer los,
da schepperns mit de Schlüssl,
na sperrns dir auf, dein Schloss.
Und mit de Wasserkübeln,
da rennas hin und her,
ja mit koam Maßkruag
leider nimmermehr.

3. Mittags um hoibe zwölfe,
da kriagst dann dei Menasch,
Freinderl, de wannst sehatst,
des is a wahrer Graus.
Erst wanns d´as fressn müaßatst,
na kaamst hoid glei ins Spitoi,
da lebast aa nimmer lang,
varreckatst boi.

4. Auf d´Nacht um hoibe achte,
da kriagst dann dei Matratzn,
Freinderl, de is z´rissn
von de Mäus und Ratzn,
von de Läus und Flöh,
da kriagst hoid aa koa Ruah
bis in den andern Tag
in aller Fruah.

5. Eine alte Kupplerin,
die einst vorüber ging,
die dacht in ihrem Sinn:
Ja, da war i aa scho drin.
Da wo koa Vogerl singt
und aa koa Zither klingt,
da is de Luft net rein,
da sperrns dich ein.

6. Ja, meine liabn Leit,
jetz werds doch oamoi gscheit:
Denkts nur an einen Gott,
an die Gerechtigkeit.
Es ist ein hartes Los,
wenn man verriegelt ist,
denn nur die Freiheit ist
das Paradies.